Schützen befürchten eine „Zerrissenheit der Feste“ PDF Drucken E-Mail

Kritik an Plänen für Rauchverbot in Zelten und bei Brauchtumsveranstaltungen

KREIS SOEST - Bis vor etwa acht Wochen gehörte Bernhard Adams zur „Gelegenheit-macht-Raucher“-Fraktion. Wenn die Runde gesellig war und das Bier im Glas so richtig zischte, „habe ich gerne mal geschmoikt“, gibt der Oberst des Kreisschützenbundes (KSB) Lippstadt zu. Dem blauen Dunst sagte er zwar schon vor Neujahr ade. Doch lässt es Adams nicht kalt, was als Folge eines verschärften Nichtraucherschutzes auf die Schützenvereine zuzukommen droht. Ausnahmeregelungen fürs Rauchen in Festzelten oder bei Brauchtumsveranstaltungen soll es nicht mehr geben. „Das wäre eine Katastrophe“, prophezeit der Oberst.

Noch herrscht, was die mögliche Gesetzesverschärfung in NRW betrifft, in den Vereinen des Altkreises Lippstadt weitgehend Ruhe. Der Vorstand des Sauerländer Schützenbundes (SSB) wird sich laut Adams bei einer Sitzung Anfang Februar näher mit der Causa befassen.

Bereits Mitte vergangener Woche hatte der SSB-Vorstand jedoch eine geharnischte Stellungnahme zur Gesetzesverschärfung an das NRW-Gesundheitsministerium geschickt. Die Pläne von Ministerin Barbara Steffens (Grüne), Ausnahmen zugunsten der Raucher in Festzelten zu kassieren, führten „bei allen Schützenvereinigungen im ganzen Land zu einem Sturm der Entrüstung und Ablehnung“. Schon jetzt seien die Vereine etwa durch GEMA-Gebühren und diverse Auflagen „auf das Extremste in ihrer Existenz bedroht“, heißt es in dem Brief. Das generelle Rauchverbot in Festzelten und bei Brauchtumsveranstaltungen sei „nicht zielführend“. Pulverdampf unter der Vogelstange und Rauchwölkchen aus Zigarette oder Pfeife: Für Schützen geht das gut zusammen.

„Offenbar will die Politik das Ehrenamt beschädigen“, fährt Adams schweres Geschütz gegen die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt auf. „Bei einem Rauchverbot in Schützenzelten werden Feste auseinandergerissen“, warnt Adams. Noch mehr gelte das für Versammlungen. Bei diesen drohe künftig ein permanentes Kommen und Gehen, wenn Raucher ihrer Passion vor der Halle frönen müssten.

In Zelten sei die Belastung durch den blauen Dunst ohnehin nicht so massiv wie etwa in einer Wirtschaft, wo sogar Nikotin-Freunde die Speisen lieber in rauchfreier Umgebung genössen. „Die Zelte sind groß, oft werden die seitlichen Planen aufgerollt, so dass die Luft zirkulieren kann“, erläutert der Kreisoberst. Freilich räumt er ein, dass an heißen Sommertagen selbst in einem noch so geräumigen Zelt die Mixtur aus stickig-warmer und rauchgeschwängerter Luft alles andere als eine Labsal ist.

Wie soll ein mögliches Rauchverbot in Zelten und Hallen überhaupt umgesetzt und vor allem: wie soll es kontrolliert werden? Fragen dieser Art sind nach Adams’ Einschätzung bisher völlig ungeklärt. Ob die KSB-Delegiertenversamlung im März über das Thema diskutieren wird, ist auch noch offen. Der Kreisoberst will sich gar nicht ausmalen, wie das Treffen abliefe, würde er zu Beginn der Tagesordnung ein allgemeines Rauchverbot verkünden. Man könnte sich aber vorstellen, dass er Probleme hätte, die Tagesordnung abzuwickeln. Immerhin hielte sich ein vermutlich erklecklicher Teil der Delegierten zwecks Glimmstängel-Genusses in wechselnden Formationen unter freiem Himmel auf. Und vernünftige Gespräche, so vermutet Adams, kämen dann „auch außerhalb der Tagesordnung nicht zustande“.

Dass sich Nichtraucher bei Festen oder Versammlungen schon einmal über den Qualm beschwert hätten, sei ihm nicht zu Ohren gekommen, beteuert Adams. Doch weiß er nur allzu gut, dass sich das natürlich auch einmal ändern kann. - fe

Quelle: Der Patriot